Vem gifte sig med Phano?

Phano

Phano (* wohl in Korinth) war wegen Unklarheiten in ihrer Herkunft Gegenstand eines Prozesses, der zwischen 343 v. Chr. und 340 v. Chr. in Athen geführt wurde.

Phanos Mutter war möglicherweise Neaira, eine Hetäre aus Korinth, die mit ihren drei Kindern nach Athen ging, nachdem sie sich freigekauft hatte. Dort lebte sie mit dem bedeutenden Politiker Stephanos zusammen, der Neairas Kinder wohl als seine eigenen ausgab. Phano, von der unklar ist, ob sie Tochter des Stephanos und seiner ersten Frau war oder Tochter der Neaira, verheiratete er zweimal mit angesehenen athenischen Bürgern, was jedoch nicht erlaubt war, da Phano als Nichtathenerin und Tochter einer Hetäre in Athen keine rechtsgültige Ehe eingehen konnte. Zumindest wurde dies von zwei politischen Gegnern des Stephanos, Apollodoros und Theomnestes, behauptet, die daraufhin eine Klage wegen angemaßten Bürgerrechts einbrachten. Erster Ehemann Phanos war Phrastor. Die Ehe wurde später geschieden und Phano wurde mit dem Archon basileus Theogenes verheiratet. Als dessen Frau übernahm sie auch Pflichten als Basilinna, obwohl ihr wegen ihrer möglichen Herkunft das Opfern in Athen untersagt gewesen wäre. Diese Ehe wurde aufgrund der Anschuldigungen wieder geschieden.

Über den Ausgang des Prozesses und das weitere Schicksal der Phano ist ebenso wenig bekannt, wie über den wahren Gehalt der Anschuldigungen. Phano selbst soll vor ihrer Zeit als Ehefrau auch als Hetäre tätig gewesen sein. Wenn sie Tochter des Stephanos war, ist das jedoch nicht anzunehmen, als Tochter der Neaira durchaus möglich.

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Phrastor

Phrastor aus dem Demos Aigilia war ein wohlhabender Bürger Athens im 4. Jahrhundert v. Chr. Er ist als erster Ehemann von Phano, der Tochter des athenischen Redners und Politikers Stephanos bekannt. Einzige Quelle zu Phrastors Leben ist die Rede gegen Neaira, die als Anklage gegen Neaira, der Lebensgefährtin des Stephanos, von dessen Widersacher Apollodoros zwischen 343 und 340 v. Chr. vor Gericht gehalten wurde.

Laut den Mitteilungen, die durch Apollodoros bis heute erhalten sind, war Phrastor „ein arbeitsamer Mann, der sein Vermögen durch Fleiß erworben“ hat. Zwischen 358 und 353 v. Chr. heiratete Phrastor, der zu dem Zeitpunkt wohl wie üblicherweise um die 30 Jahre alt war, Stephanos Tochter Phano. Es ist nicht bekannt, ob es seine erste Ehe war, doch hatte er zum Zeitpunkt der Hochzeit noch keine legitimen Kinder. Phano, die möglicherweise mit der Beziehung zwischen ihrem Vater und Neaira ein anderes Vorbild hatte, konnte sich offenbar nicht in ihre Ehe einfügen. Sie war von ihrem früheren Leben offenbar mehr Freiheiten gewohnt, als ihr Phrastor zugestehen wollte. Wegen dieser Unverträglichkeit und weil ihm Phano nach seiner Meinung nicht genug Respekt entgegenbrachte, warf Phrastor seine junge Frau nach einem Jahr einfach aus dem Haus, was einer Scheidung gleichkam. Zu dieser Zeit war sie von ihm schwanger.

Natürlich konnte das Stephanos nicht erfreuen. In erster Linie forderte er die 3000 Drachmen Mitgift zurück, die Phano mit in die Ehe gebracht hatte, und die nach der Trennung des Paares Phano wieder zustanden. Doch Phrastor weigerte sich, das Geld zurückzuzahlen. Daraufhin verklagte ihn sein früherer Schwiegervater. Doch ging Phrastor in die Gegenoffensive und verklagte seinerseits Stephanos, da dieser ihm mit Phano angeblich eine Nichtathenerin zur Frau gegeben hatte. So etwas war in Athen verboten. Seine frühere Frau soll die Tochter Neairas gewesen sein, die aus Korinth stammte. Dies habe er jedoch erst später nach der Hochzeit herausgefunden. Als Getäuschter wollte er nun das Geld behalten.

Fast alle Indizien sprechen heute dafür, dass Phano Stephanos Tochter war. Doch ging dieser das Risiko eines Prozesses nicht ein. Weil die athenische Gerichtsbarkeit in den Händen von Laienrichtern lag und vor Gericht am Ende oft die Partei gewann, deren Rhetorik am überzeugendsten wirkte, bestand immer die Gefahr von eklatanten Fehlurteilen. Dieser Umstand veranlasste Stephanos, seine Klage zurückzuziehen, was ihm Phrastor kurz darauf gleichtat. Für Stephanos standen im Falle einer Niederlage nicht nur die 3.000 Drachmen, sondern auch der Verlust seiner Bürger- und Ehrenrechte auf dem Spiel, wie auch Phano ihr Status als Bürgerin hätte aberkannt werden können.

Kurz nach dieser Episode wurde Phrastor ernsthaft krank. Trotz allem, was vorgefallen war, pflegten ihn Phano und Neaira, wohl nicht ohne Hintergedanken. Während seiner Krankheit erkannte Phrastor in seinem Testament Phanos Sohn – der ja auch sein Nachkomme war – als legitimes Kind und rechtmäßigen Erben an. Laut Apollodoros erfolgte diese Anerkennung jedoch nur, weil Phrastor zum einen dem Tode nahe und von beiden Frauen beeinflusst wurde, zum anderen, weil er seinen ungeliebten Verwandten nicht sein Erbe zukommen lassen wollte. Aber Phrastor überstand seine Krankheit. Kurz drauf heiratete er eine andere athenische Bürgerin. Auch danach stand er zu seinem Sohn mit Phano und wollte ihn in seinem Genos (gennetai) und seiner Phratrie einführen. Dies war nötig, denn nur wer in diese Gemeinschaftsverbände eingeführt wurde, war ein vollwertiger Bürger mit allen Bürgerrechten. Doch stieß Phrastor beim Versuch, seinen Sohn in seinem Genos einzuführen, auf Widerstand. Verwunderlich war das nicht, wo er selbst doch einen Prozess gegen die Mutter des Jungen wegen angeblich fehlender athenischer Bürgerschaft angestrengt hatte. Daraufhin strengte er einen Prozess gegen sein eigenes Genos, die Brytiaden, an. Wie häufig in Athen versuchte man sich jedoch außergerichtlich zu einigen, woraufhin eine Schlichtung erfolgte. Es ist nicht bekannt, wie diese Schlichtung ausgegangen ist. Doch da Apollodoros in seiner Rede gegen Neaira nicht von einem negativen Ergebnis für Phrastor berichtet, ist ein Erfolg seinerseits sehr gut möglich, da Apollodoros auf ein anderes Ergebnis als Beweis für die nichtathenische Herkunft der Phano, die er in seiner Rede auch beweisen wollte, wohl nicht verzichtet hätte.

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Theogenes

Theogenes war ein athenischer Politiker im 4. Jahrhundert v. Chr., der nur aus einer Rede („Gegen Neaira“) des Apollodoros bekannt ist. Diese wurde dem Demosthenes als dessen 59. Rede zugeschrieben.

In den Handschriften dieses Textes wird im Abschnitt 72 angegeben, dass Theogenes aus dem Demos Kothokidai stammte. Da er dem Abschnitt 84 zufolge jedoch aus Erchia stammte, wird vermutet, dass es sich um einen Schreibfehler handelt und die erste Stelle seine Familie bezeichnet. Er könnte beispielsweise aus den Familien der Koironiden oder der Kodroniden (letzteres waren die Nachkommen des Kodros) stammen.

Um (vermutlich kurz vor) 340 v. Chr. wurde Theogenes per Loswahl zum Archon basileus bestimmt. Dem Pseudo-Demosthenes zufolge war er zwar von vornehmer Abstammung, aber arm und unerfahren. Der reiche Athener Stephanos half ihm deshalb bei seiner Dokimasie (Prüfung der Eignung für das Amt) und unterstützte ihn finanziell und ließ sich dafür zu seinem Stellvertreter (páredros) ernennen. Schließlich heiratete Theogenes dessen Tochter Phano, die nun auch verschiedene öffentliche Pflichten als Basilinna wahrzunehmen hatte.

Während seiner Amtszeit geriet Theogenes in einen Skandal, der von Gegnern seines Schwiegervaters Stephanos, Apollodoros und Theomnestes, initiiert wurde. Diese brachten ihre Anklage vor dem Areopag vor, wobei auch Theogenes vorgeladen wurde. Die Kläger behaupteten, Phano sei in Wirklichkeit nicht die eheliche Tochter des Stephanos, sondern die seiner unrechtmäßigen Frau Neaira. Diese durfte Stephanos nach geltendem Recht theoretisch nicht heiraten, weil sie keine athenische Bürgerin und noch dazu als Hetäre tätig war. Dem athenischen Recht zufolge musste die Ehe der Basilinna mit dem Archon basileus außerdem ihre erste Heirat sein, was auf Phano ebenfalls nicht zutraf. Als Eklat wurde insbesondere angesehen, dass die Tochter einer nicht-athenischen Hetäre an bedeutenden kultischen Handlungen teilgenommen hatte. An Anthesteria hatte sie beispielsweise eine rituelle „Heilige Hochzeit“ mit dem Gott Dionysos zelebriert und war damit im Gegensatz zur normalen athenischen Frau eine Person des öffentlichen Lebens geworden.

Der angeklagte Theogenes versprach nun, Stephanos als seinen páredros zu entlassen und sich auf der Stelle von Phano zu trennen. Er sei von Stephanos betrogen worden, der diese als seine rechtmäßige und eheliche Tochter ausgegeben habe. Damit konnte er den Areopag von seiner Unschuld überzeugen und einer härteren Strafe entgehen. Es ist jedoch zu vermuten, dass die Ankläger entgegen der Behauptung des parteiischen Apollodoros keine Beweise insbesondere für die Abstammung Phanos vorbringen konnten, da Theophanes sonst mit einer härteren Strafe zu rechnen gehabt hätte.

Was nach den Geschehnissen um Stephanos mit Theogenes geschah, ist unbekannt. Da er anscheinend seine Ehrbarkeit wahren und die Tätigkeit als Archon basileus bis zum Ende seiner Amtszeit ausüben konnte, wurde er danach vermutlich wie alle ehemaligen Archonten in den Areopag aufgenommen. Sein Name ist neben der Erwähnung bei Pseudo-Demosthenes nur noch auf einem (biographisch allerdings wenig aussagekräftigen) Richtertäfelchen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. belegt.

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